Neuromodulation: jetzt auch ein vielversprechender Kandidat für die Behandlung von chronischem Blasenschmerz

Interstitielle Zystitis (IC), auch als Chronisches Blasenschmerzsyndrom bezeichnet, ist ein chronische Blasenerkrankung, die den Alltag von Millionen von Menschen weltweit stark beeinträchtigt. Patienten haben chronische Schmerzen und Druckgefühl im Blasenbereich und verspüren ständigen Harndrang. Die Ursachen der Erkrankung sind unklar und Behandlungsversuche bleiben oftmals unbefriedigend.

 

Ein Forscherteam der Duke University hatte eine neue Idee, um das Problem anzugehen: Sie wollten die Empfindungen der Blase, die durch den Pudendusnerv geleitet werden, durch Neuromodulation verändern. Frühere Experimente hatten gezeigt, dass elektrische Stimulation dieses Nervs Schmerzen lindern, den Harndrang verringern und die Häufigkeit des Urinierens verringern kann.

 

Um ihren Ansatz einem ersten Test zu unterziehen, verwendeten die Autoren ein Tiermodell für die Krankheit. In einem ausgeklügelten Versuchsaufbau machten sie alle physiologischen „Akteure“ im Urinausscheidungsprozess experimentell zugänglich. So konnten sie alle beteiligten Elemente genau zu verfolgen und zu kontrollieren. Sie füllten die Blase mit einem kontinuierlichen Flüssigkeitszufluss, verfolgten den daraus resultierenden Volumen- und Druckaufbau, zeichneten die Aktivität der Harnröhrensphinktermuskeln (die sich zum Wasserlassen entspannen) auf, und analysierten die Häufigkeit und Menge an Flüssigkeit, die bei jedem Urinieren freigesetzt wurde.

 

Um den Nervus pundendus elektrisch zu stimulieren, wählten sie CorTec Microcuffs, mit denen der winzige Nerv, der nur etwa so dick wie ein menschliches Haar ist, sicher umhüllt werden konnte. Die Stimulation des Nervs erhöhte in dem Experiment tatsächlich die Blasenkapazität und folglich nahm die Häufigkeit des Urinierens signifikant ab – und zwar sowohl in normalen Ratten als auch im Erkrankungsmodell.

 

Durch Untersuchung der Auswirkungen von Eingriffen in das Sympathische Nervensystem stellten die Autoren außerdem fest, dass der Effekt im Krankheitsmodell durch einen offenbar abnormal funktionierenden sympathischen Reflexbogen vermittelt wurde.

 

So haben diese Experimente nicht nur neue Befunde über die physiologischen Grundlagen der Erkrankung ergeben. Sie haben auch die Idee bekräftigt, dass die Pudendusnerv-Stimulation ein vielversprechender Kandidat für neuartige Neuromodulationsstrategien zur Linderung des Leidens von IC / BPS-Patienten sein könnte.

 

Literatur:

 Gonzalez EJ, Grill WM:

Sensory pudendal nerve stimulation increases bladder capacity through sympathetic mechanisms in cyclophosphamide-induced cystitis rats.

Neurourol Urodyn. 2019 Jan;38(1):135-143. doi: 10.1002/nau.23860. Epub 2018 Oct 23.

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